DIE WÄRMEWENDE BRAUCHT PLANUNGSSICHERHEIT IM QUARTIER! WEITERFÜHRUNG DES KFW PROGRAMM 432 SICHERSTELLEN!
Berlin, 28.05.2026
Am 28.05.2026 hat die KfW den Antragstopp für das KfW-Programm 432 „Energetische Stadtsanierung“ ausgerufen! Aus Sicht der DIE STADTENTWICKLER braucht es jetzt eine kurzfristige Stabilisierung für 2026 und eine verlässliche Fortführung des Programms ab 2027. Die in 2025 nicht verausgabten Mittel von 75 Mio Euro müssen dringend für die Fortführung dieses Programm in 2026 zur Verfügung gestellt werden!AUSGANGSLAGE
Das Programm KfW 432 „Energetische Stadtsanierung“ stellt einen zentralen Baustein zum Gelingen der Wärmewende auf kommunaler Ebene dar und unterstützt Kommunen bei der Erstellung integrierter Quartierskonzepte sowie beim Sanierungsmanagement. Gefördert werden Sach- und Personalausgaben von Kommunen mit Zuschüssen in Höhe von 75 Prozent beziehungsweise 90 Prozent der förderfähigen Aus-gaben.
Nachdem das KfW Programm 432 Ende 2023 ausgelaufen war, wurde es Ende 2025 für die Jahre 2025 und 2026 neu aufgelegt. Für die Haushaltsjahre 2025 und 2026 wurden jeweils 75 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Mittel aus 2025 konnten aufgrund des späten Programmstarts im November 2025 faktisch nicht mehr abgerufen und auch nicht in das Jahr 2026 übertragen werden. Sie standen der Ener-getischen Stadtsanierung somit nicht mehr zur Verfügung. Durch diesen verspäteten Programmstart sind die von der Bundesregierung zur Verfügung gestellten 150 Millionen Euro faktisch um die Hälfte reduziert worden. Dabei erleben wir, dass die Nachfrage vor Ort enorm ist! Dies findet im aktuellen Antragsstopp seine traurige Bestätigung.
WARUM BRAUCHT ES DAS PROGRAMM KFW 432?
Das Programm KfW 432 ist ein systemrelevantes Instrument zur Umsetzung der Energiewende in urbanen und ländlichen Räumen. Es schließt die Umsetzungslücke zwischen der strategischen kommunalen Wärmeplanung und der konkreten Realisierung von Maßnahmen, insbesondere bei netzbasierten Lösun-gen. Die kommunale Wärmeplanung liefert eine strategische und großflächige Bestandsaufnahme. Für die tatsächliche Umsetzung braucht es jedoch die Quartiersebene. Dort können Gebäudesanierung, effiziente Wärme- und Versorgungssysteme, erneuerbare Energien, Mobilität, Klimaanpassung und soziale Fragen integriert betrachtet werden.
Das Programm ermöglicht insbesondere:
• die systematische Überführung strategischer Wärmepläne in investitionsreife Quartiersmaßnahmen,
• die Entwicklung technologieoffener Maßnahmen mit hoher Umsetzungsrelevanz,
• die Einbindung von Verwaltung, Kommunalpolitik, Bürgerschaft, Stadtwerken, Wohnungswirt-schaft und weiteren Akteuren,
• die Abwägung bestehender Zielkonflikte,
• die Beseitigung von Hemmnissen,
• die Nutzung von Synergien,
• die Betrachtung sektorübergreifender Lösungen in Wärme, Strom und Mobilität,
• die Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern,
• die ergebnisoffene Beratung von Eigentümerinnen und Eigentümern,
• die Vorbereitung großer Investitionen
• die kommunale Handlungsfähigkeit durch die Einbindung professioneller externer Projekt- und Umsetzungspartner
WAS BEDEUTET DIESER ERNEUTE FÖRDERSTOPP?
Das energetische Quartierskonzept ist eine zentrale Anschlussmaßnahme aus der kommunalen Wärmeplanung. In vielen Städten und Gemeinden werden Gebiete mit erhöhtem Energieeinsparpotenzial identifiziert. Diese Gebiete eignen sich besonders für Quartierskonzepte, weil dort vertiefte, maßgeschneiderte Lösungen für konkrete Teilgebiete entwickelt werden können.
Die Bedeutung des Programms liegt vor allem darin, dass es übergeordnete Klimaschutzziele in lokal umsetzbare Maßnahmen übersetzt. Es schafft ein strategisches Fundament für die lokale Energiewende und macht den Transformationsprozess für alle Beteiligten greifbar und verlässlich.
Dieser Förderstopp zieht folgende Folgeprobleme nach sich:
• Erstens würden viele kommunale Wärmeplanungen auf der strategischen Ebene stehen bleiben. Ohne Quartierskonzepte fehlt die fachliche Brücke zu konkreten Investitionsmaßnahmen.
• Zweitens würden wichtige Folgeinvestitionen erschwert oder verzögert. Die Umsetzung von Quartierskonzepten kann Investitionen in energetische Gebäudesanierungen, Wärmenetze, Ener-gieberatung, erneuerbare Energien, Photovoltaik, grüne Infrastruktur, Radwege und E-Mobilität auslösen.
• Drittens würde die Aktivierung von Bürgerinnen, Bürgern und Eigentümerschaft geschwächt. Das Programm ermöglicht niedrigschwellige Beratung, gezielte Ansprache und konkrete Handlungs-empfehlungen. Dadurch können auch Eigentümerinnen und Eigentümer erreicht werden, die sonst zunächst nicht aktiv würden. In Zeiten großer Verunsicherung in der Bevölkerung ein nicht zu un-terschätzender Faktor,
• Viertens würden kleinere Kommunen besonders belastet. Gerade dort fehlen häufig fachliches Know-how und personelle Kapazitäten, um die komplexen Aufgaben der Wärme- und Energiewen-de eigenständig zu strukturieren. Das Sanierungsmanagement hilft, Maßnahmen weiterzuverfol-gen, zu koordinieren und schrittweise umzusetzen.
• Fünftens würden auch städtebauliche, soziale und klimaanpassungsbezogene Potenziale ge-schwächt. Quartierskonzepte verbinden klimarelevante Projekte mit städtebaulichen Sichtweisen, schaffen Akzeptanz und unterstützen die Aufwertung urbaner und ländlicher Räume. Sie liefern zudem eine Datenbasis für Maßnahmen gegen urbane Hitzeinseln, für Regenwasserversickerung, Entsiegelung und grüne Infrastruktur.
WELCHE WIRKUNGEN AUS KFW 432 SIND NACHWEISBAR?
Für den Zeitraum 2011 bis 2017 weist die KfW insgesamt 923 zugesagte Förderungen aus. Darunter waren 729 Konzeptentwicklungen, 176 Sanierungsmanagements und 18 zweite Phasen des Sanierungsmana-gements. Abgerufen wurden rund 53,7 Millionen Euro Förderung sowie 22,9 Millionen Euro Eigenanteil.
Auch energetische Wirkungen wurden quantifiziert. Für geförderte Quartierskonzepte wurden konzipierte Einsparungen von insgesamt rund 4.500 GWh Primärenergie und etwa 2.700 GWh Endenergie pro Jahr geschätzt. Aus Sanierungsmanagement-Vorhaben resultierten laut Bericht etwa 700 GWh Primärenergie- und 450 GWh Endenergieeinsparungen, einschließlich Modellierung.
Laut der jüngsten Evaluierungsstudie 2023/24 der KfW sind mit dem KfW 432 nicht unerhebliche Investi-tionen in die energetische Modernisierung der Städte und Gebäude ausgelöst worden. Rechnerisch ist ein Förderhebel von bis zu 660 Euro energetischer Investitionen je 1 Euro Bundesmittel ermittelt worden, sofern die Investitionspläne vollständig umgesetzt und finanziert worden sind. Das zeigt, welch ungeheuren Investitionshebel im KfW-Programm stecken.
HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
Das Programm KfW 432 muss kurzfristig stabilisiert und mittelfristig verlässlich fortgeführt werden.
Kurzfristig sollten Haushaltsmittel, die im Haushaltsjahr 2025 nicht genutzt wurden und in den Bundes-haushalt zurückgeflossen sind, reaktiviert werden können. Damit ließe sich ein abrupter Förderstopp im Haushaltsjahr 2026 vermeiden. Dies würde Planungssicherheit schaffen, Verunsicherung in den Kommu-nen reduzieren und Investitionszurückhaltung entgegenwirken.
Mittelfristig muss das Programm KfW 432 fortgesetzt werden. Der Haushaltsgesetzgeber sollte sicher-stellen, dass das Programm auch im Kalenderjahr 2027 weitergeführt wird. Nur so können Kommunen die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung in integrierte Quartierskonzepte, Sanierungsmanagement und konkrete Maßnahmen überführen.
Eine verlässliche Fortführung des Programms behebt die dargestellten Probleme unmittelbar: Sie sichert die fachliche Brücke zwischen Wärmeplanung und Umsetzung, ermöglicht die Aktivierung der relevanten Akteure, unterstützt Bürgerbeteiligung und Eigentümerberatung, stärkt kleinere Kommunen mit begrenzten Kapazitäten und schafft die Grundlage für konkrete Investitionen in energetische Sanierung, Wärmeversorgung, erneuerbare Energien und klimabezogene Quartiersentwicklung.
Die Einbindung externer Umsetzungs- und Projektpartner sollte ausdrücklich abgesichert und gestärkt werden – als zentrale Voraussetzung für die Realisierungsfähigkeit und Qualitätssicherung vor Ort. Ein Großteil der Kommunen ist auf zusätzliche Kapazitäten und professionelle Unterstützung angewiesen. Leistungen in den Bereichen Projektsteuerung, Umsetzungsmanagement und integrierte Quartiersentwick-lung sollten daher klar und verlässlich förderfähig sein.
KfW 432 sollte deshalb dauerhaft und verlässlich mit Fördermitteln ausgestattet werden. Ohne dieses Instrument drohen viele Wärmepläne auf der strategischen Ebene stehen zu bleiben.
Mit dem Programm hingegen können Kommunen die Wärmewende konkret, koordiniert und umsetzungsorientiert in die Quartiere bringen.
Dieser abrupte Förderstopp erzeugt erhebliche Unsicherheit! Kommunen können keine energetischen Stadtsanierungskonzepte mehr erarbeiten und damit ihre Beiträge zur Wärmewende und zum Erreichen der Klimaziele nicht mehr adäquat leisten. Besonders problematisch ist dies, weil viele Kommunen nach der kommunalen Wärmeplanung auf ein Instrument angewiesen sind, das die strategischen Ergebnisse in konkrete, umsetzungsfähige Maßnahmen auf Quartiersebene überführt.
DIE STADTENTWICKLER zum KfW 432 Anstragsstopp